Interview mit Hermann Bauer

Von Hermann Bauer habe ich bereits zwei Bücher gelesen. Da ich seinen Protagonisten, Leopold, sehr interessant finde, habe ich mich vor ein paar Tagen an den Autoren gewendet und habe ihn gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Zu meiner großen Freude hat Hermann Bauer meine Fragen beantwortet.

bauer-hermann

Hermann Bauer wurde 1954 in Wien geboren. 1961 kam er nach Floridsdorf, wo er 30 Jahre seines Lebens verbrachte. Während seiner Zeit am Floridsdorfer Gymnasium begann er, sich für Billard, Tarock und das nahe gelegene Kaffeehaus Café Fichtl zu interessieren, dessen Stammgast er lange blieb. Seit 1983 unterrichtet er Deutsch und Englisch an der BHAK Wien 10. 1993 heiratete er seine Frau Andrea, der zuliebe er seinen Heimatbezirk verließ. 2008 erschien mit »Fernwehträume« sein erster Kriminalroman, dem neun weitere Krimis um das fiktive Floridsdorfer Café Heller und seinen neugierigen Oberkellner Leopold folgten. »Stiftertod« ist der zehnte Kaffeehauskrimi des Autors. (Quelle: Verlagshomepage)

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich wollte schon in meiner Jugend immer Bücher schreiben. Da fehlte mir allerdings das Durchhaltevermögen. Später reizte es mich einmal, an einem Story-Wettbewerb des englischen Good Book Guide teilzunehmen, doch fiel mir zum Titel The Body in the Library nichts ein, mit dem ich zufrieden gewesen wäre. Das brachte mich aber dazu, es mit einem Thema zu versuchen, das mir vertraut war, und das war das Kaffeehaus. Es gab da das Café Fichtl in Floridsdorf mit einem schrulligen Oberkellner, in dem ich viele Stunden meines Lebens verbrachte. Krimis hatte ich schon immer gern gelesen, also probierte ich es in diesem Genre. Es dauerte zwar, aber diesmal schaffte ich es. Als ich damit schließlich beim Gmeiner-Verlag landete, konnte ich mich relativ rasch darauf einstellen, einen Roman pro Jahr zu produzieren.

Würden Sie auch unter einem Pseudonym schreiben, wenn Ihr Verlag es „wünscht“?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, weil sie sich bis jetzt noch nie gestellt hat. Ich weiß auch von niemandem, an den ein Verlag einen solchen Wunsch herangetragen hätte. Wenn, dann müsste das Verlag und Autor einfach miteinander besprechen. Wo es schon sein kann, dass der Verlag und ich diskutieren, sind die Titel der Romane. Da gebe ich dann gerne nach, da ich im Prozess des Schreibens zwar stets eine Geschichte, aber weniger einen bestimmten Titel im Auge habe.

Was unterscheidet Leopold von anderen Hobbyermittlern?

Es gibt mittlerweile so viele Krimis mit den verschiedensten Ermittlern, ob Profi oder Hobbydetektiv, dass es immer schwieriger wird zu sagen: Mein Ermittler ist einzigartig. Einzelne Charakterzüge überschneiden sich natürlich. Was lässt sich über Leopold sagen? Ich habe nicht so genau recherchiert, aber ich glaube schon, dass er der erste ermittelnde Oberkellner eines Kaffeehauses ist. Wie viele Vertreter dieses Berufes stellt er auch stets seinen heiligen Grant zur Schau. Dazu kommen eine gewisse Bauernschläue, sein Schmäh und eine gewaltige Portion Neugier. Er macht auch Fehler, aber er steht dazu. Das ist, denke ich, auf jeden Fall eine interessante Mischung, ob es nun einzelne Ähnlichkeiten zu anderen Ermittlern gibt oder nicht.

Wie gehen Sie mit schlechten Rezensionen um?

Die erste schlechte Rezension in der Zeitschrift Buchkultur habe ich noch mit etlichen Gläsern Bier hinunter gespült. Mittlerweile regt mich so etwas kaum noch auf. Man bekommt da mit der Zeit eine harte Haut. Es ist nie alles so gut, wie man es selbst glaubt, aber auch nicht so schlecht, wie es mancherseits dargestellt wird. Eine erste wichtige Rückmeldung ist immer die meiner Lektorin. Sie ist sehr kritisch, und wenn sie zufrieden ist, kann es so schlimm nicht sein. Ganz wichtig sind natürlich die zahlreichen guten Rezensionen und die vielen Aufmunterungen meiner Leser, die mich darin bestärken, in der Art weiterzuschreiben.

Haben Sie feste Schreibzeiten oder haben Sie einen Block oder ähnliches dabei, falls Ihnen unterwegs etwas einfällt?

Durch meinen Beruf als Abendlehrer an einer Handelsakademie für Berufstätige wäre es vermessen, fixe Schreibzeiten einzuplanen. Am besten geht es in den Ferien, oder wenn in der Schule wenig los ist. Trotzdem versuche ich, jeden Tag ein gewisses, wenn auch manchmal kleines, Pensum zu erledigen. Ich bin tatsächlich immer mit Block und Kugelschreiber bewaffnet, da ich zunächst mit der Hand schreibe und den Text erst einige Tage später in den Computer klopfe. Durch den zeitlichen Abstand ist das gleichzeitig schon die erste Überarbeitung. Mit der Hand schreibe ich praktisch überall, am Computer nachmittags in meinem Arbeitszimmer, an den Wochenenden auch abends. Morgens nie – ich bin kein Morgenmensch.

Bisher erschienen Bücher:

  1. Philosophenpunsch
  2. Stiftertod
  3. Kostümball
  4. Rilkerätsel
  5. Lenauwahn
  6. Nestroy-Jux
  7. Schnitzerlust
  8. Verschwörungsmelange
  9. Karambolage
  10. Fernwehträume

Mein Dank geht an den Autoren, der mir bereitwillig alle Fragen beantwortet hat. Zur Zeit lese ich Lenauwahn.

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