Inteview mit Daniela Schenk

Die Berner Autorin und Buchhändlerin wünschte sich als Kind eine Knarre, doch die Eltern waren Pazifisten. Nun schreibt sie ihre Revolverheldinnenträume, auch wenn die ›hard-boiled‹ Detektivin April Pallas lieber andere Waffen wählt. »Alpenfrauen« ist Daniela Schenks siebter Roman. Dem Debüt »Julia und Satine« folgten u.a. »Diejenige welche« und »Brennnesseljahre«

daniela

Im Mai erscheint der 2. Teil um die Privatdetektivin April Pallas

Privatdetektivin April Pallas ist eine enorm coole Socke und nie um einen Schokoriegel verlegen. In Wahrheit hat sie aber nicht viel mehr als ihr Motorrad im Griff (vorausgesetzt, dass sie es nicht wieder zu betanken vergisst). Diesmal knattert sie damit ins Simmental, wo sie zu vier toten Frauen ermitteln soll, die angeblich bei Unfällen starben. Alle waren Mitglieder des Frauenvereins Alpenrose … April tritt dem Verein bei und stellt sich als Journalistin vor, die ein Buch über Hexen und Kräuterkundige schreibt. Statt auf Hexen stößt sie jedoch auf einen einheimischen Skihelden, der ganz vorn im Weltcup mitmischt, und auf ziemlich viel Arbeit. Zum Glück erhält sie Unterstützung durch ihre alte Freundin Rösli, die nicht nur Sennerin und Bergbäuerin ist, sondern auch Computer hacken kann. Ein Polizist namens Bär ist außerdem mit von der Partie, ebenso Zoro, Consuela und – eine gewisse Lou. Mit einem erstaunlich pinkfarbenen Notizbuch bewaffnet, nimmt sich April, die stets in alle und noch mehr Richtungen ermittelt, des Falles an. Wie sie ihn löst und was sich der kampferprobten ›Brucie Lee‹ dabei so in den Weg stellt, bietet einiges an Überraschungen.

alpenfrauen Damit das Interview ein bisschen persönlicher wirkt, habe ich Daniela gefragt, ob ich sie nicht duzen dürfte.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Das Schreiben ist mir schon immer leichtgefallen. Mit achtzehn machte ich einen
Schreibfernkurs Richtung Sachliteratur, mir schwebt vor,dereinst populärwissenschaftliche Bücher zu verfassen. Ich habe Schreibaufträge angenommen und schließlich Journalistik studiert – ein tolles Studium, während dem ich realisierte, dass Journalismus nicht mein Ding ist. Während elf Jahren arbeitete ich im Buchhandel und dort betreute ich die schwullesbische Abteilung. Im Herbst und Frühling, wenn ich in den Neuheiten schmökerte, dachte ich immermal wieder: Das könnte ich auch – nur besser. Irgendwann kam ich zur Erkenntnis, dass ich eine solch angeberische Behauptung auch beweisen müsste. Da war ich 37, ich befand mich in den Ferien auf Gomera, dort nahm mein erstes Buch Julia &Satine seinen Anfang.

Wie kam es, dass du das Genre gewechselt hast? 

Die ersten vier Romane waren Liebes(und Freundschafts)romane, Brennnesseljahre ein Coming of Age Roman, da hatte ich schon mal das Genre gewechselt. Als meine Verlegerin Ulrike Helmer die Crimina-Reihe ins Leben rief, fragte sie mich, ob ich auch einen Krimi schreiben könne, was ich klar verneinte: Ich lese selten Krimis und Thrillers und fühlte mich nicht fähig, einen zu schreiben. Aus Neugierde schrieb ich doch ein erstes Kapitel (das ich in Knarrenfrauen übernahm), legte es aber zur Seite. Ein paar Jahre später las ich es wieder und irgendwie bekam ich Lust, dort weiterzufahren.

Würdest du unter einem Pseudonym schreiben, wenn dir ein großer Publikumsverlag einen Vertrag anbieten würde?

Gute Frage! Das würde wohl von vielen Faktoren abhängen: Welcher Verlag wäre es, um welches Manuskript ginge es? Wenn es ein für mich untypisches Buch wäre, dann wäre ein Pseudonym eine Option. Aber ein großer Verlag bedeutet noch lange nicht großer Erfolg!

Würdest du unter einem Pseudonym schreiben, wenn dir ein großer Publikumsverlag einen Vertrag anbieten würde?

Gute Frage! Das würde wohl von vielen Faktoren abhängen: Welcher Verlag wäre es, um welches Manuskript ginge es? Wenn es ein für mich untypisches Buch wäre, dann wäre ein Pseudonym eine Option. Aber ein großer Verlag bedeutet noch lange nicht großer Erfolg!

Hast du immer einen Block, etc. dabei um potentielle Idee notieren zu können?

Oh, ich habe eine Menge Blankobücher – in einer Schublade … Manchmal schreibe ich etwas hinein, meistens nicht. Viele Ideen kommen mir während des Schreibens selber, damit überrasche ich manchmal selber. Und wenn ich sonst Ideen habe – oft an den unmöglichsten Orten – bleiben sie mir im Gedächtnis, das bilde ich mir jedenfalls ein.

Würdest du Nachwuchsautoren ermutigen, ihr Manuskript direkt an einen Verlag zu schicken oder es über einen Literaturagenten zu versuchen?

Mit Literaturagenten habe ich keine Erfahrung. Im englischsprachigen Raum ist es gang und gäbe, einen Agenten zu haben, bei uns hat sich das noch nicht so durchgesetzt.

Wozu ich aber Nachwuchsautoren unbedingt rate: Schickt NIE ungefragt das Manuskript einem Verlag zu!! Immer nur ein Exposé und vielleicht 20 Seiten als Kostprobe. Ist der Verlag interessiert, verlangt er dann das Manuskript. So schont man die Nerven der Verleger.

Du bist  Schweizerin, spichst also im Alltag Schweizerdeutsch, wie wirkt sich das für dich auf die Schreibsprache aus?

Stark! Ich lebe in dieser seltsamen Situation, dass mein Sprechsprache recht anders ist als die Schriftsprache: Das Hochdeutsch ist eine halbe Fremdsprache für mich! Es gibt so viele Wörter, Redewendungen und Ausdrücke, die im Berndeutschen anders als im Hochdeutschen sind und ich bin darauf angewiesen, dass meine Lektorin das korrigiert, weil ich es selber nicht merke. Manchmal sind es Kleinigkeiten: Wir sagen: es tönt gut, im Deutschen sagt man: es klingt gut. Wir wischen einen Tisch ab, im Deutschen wischt man ihn auf. Wir schauen zu einem Patienten, ihr schaut nach ihm. Wir stoßen, ihr schiebt. Bei Wörtern wie Türfalle (Klinke), Übername (Spitzname), Schaufeln (Vorderzähne) versteht meine arme Lektorin nur Bahnhof. Und dann gibt es eine Reihe wunderbarer Ausdrücke, die man nicht adäquat ins Deutsche übersetzen kann, was ich als einen Verlust empfinde.

Manchmal nervt mich meine „Behinderung“, die ich als Deutschschweizerin mitbringe, und schäme mich ein bisschen, dass ich nicht „deutscher“ bin. Aber bis jetzt haben wir immer einen Weg gefunden, dass meine Texte Deutsch tönen/klingen und sie meiner Herkunft treu bleiben.

Demnächst erscheint der 2. Band um die unwiderstehliche April Pallas. Können Leser/innen, die den ersten Band nicht kennen, diesen problemlos lesen?

Ja, das können sie, Alpenfrauen ist in sich abgeschlossen und falls eine Info aus Knarrenfrauen für das Verständnis nötig ist, gebe ich die mit.

Zum Abschluss möchte ich bei Daniela bedanken, dass sie meine Fragen so ausführlich beatwortet hat. Ich finde es immer wieder spannend, wie Autoren zum Schreiben gekommen sind!

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